Welt-Autismus-Tag: Autismus ist vielfältig!
Anlässlich des Welt-Autismus-Tages am 2. April möchten wir auf Autismus aufmerksam machen. Wie vielfältig Menschen im Autismus-Spektrum sind, zeigt sich jeden Tag in der Arbeit im Autismus-Therapieinstitut Langen und im Ambulant Betreuten Wohnen für Menschen mit Asperger oder High-Functioning-Autismus. Dort begleiten wir Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Autismus-Spektrum.
Eine der begleiteten Personen ist Hunter. Hunter erhielt die Diagnose Autismus mit 29 Jahren. Ein spätes Diagnosealter mit vorangegangenen Fehldiagnosen erleben leider viele Menschen im Autismus-Spektrum, insbesondere weiblich gelesene Menschen.
Lange Zeit hielt auch Hunter selbst nicht für möglich, im Autismus-Spektrum zu sein. Das gesellschaftlich weitverbreitete Bild von Autismus – geprägt von Vorstellungen von sozialem Rückzug, Schwierigkeiten im Kontakt mit anderen, monotonen Spezialinteressen oder sehr auffälligem Verhalten – passte nicht zur eigenen Lebensrealität. „Ich habe Soziale Arbeit studiert. Empathisch zu sein und mit Menschen in Kontakt zu gehen, war mein Beruf.“, sagt Hunter.
Eine große Rolle spielten außerdem Kompensierungs- und Anpassungsstrategien: Verhaltensweisen, die so tief verankert waren, dass sie nicht nur das Umfeld, sondern auch Hunter selbst täuschten. „Ich habe jahrelang weit außerhalb meiner eigenen Komfortzone gelebt, meine eigenen Bedürfnisse zurückgestellt und mich den gesellschaftlichen Erwartungen angepasst“, erklärt Hunter.
Die Diagnose im Jahr 2024 brachte Klarheit, Erleichterung – und Selbstbewusstsein, die eigenen Grenzen wahrzunehmen und offen zu kommunizieren. Dabei hilft auch die ambulante Betreuung durch die BHO. „Dadurch, dass die Betreuung auf Menschen im Autismus-Spektrum ausgerichtet ist und die Mitarbeitenden fachliche Expertise dazu haben, kann ich mich deutlich leichter entspannen. Ich habe weniger Druck, mich anzupassen oder zu maskieren, und kann darauf vertrauen, dass mein Verhalten oder meine Kommunikation nicht missverstanden werden. Das macht es für mich einfacher, aktuelle Themen und Herausforderungen zu bearbeiten“, sagt Hunter.
Über das Leben im Autismus-Spektrum spricht Hunter sehr offen – auch aus einer aktivistischen Haltung heraus. Trotz wachsender Aufmerksamkeit, etwa durch Medien oder sogenannte ‚stille Stunden‘ im Einzelhandel, gebe es weiterhin viele Vorurteile und stereotype Annahmen. Deshalb ist es Hunter wichtig zu zeigen, wie vielfältig das Autismus-Spektrum ist. „Ich hoffe, dass mehr Wissen und ein differenzierteres Bild von Autismus dazu beitragen, dass Menschen früher eine Diagnose erhalten und nicht erst – wie ich – mit 29 beginnen, sich selbst besser zu verstehen.“